81669 München | Balanstraße 21 | Tel+Fax: +49 -(0)89-486 325
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| Ausstellungen |
"Bayern-ein einziges Glücksversprechen" / Ölbilder 19.Juni - 19.Juli 2009
"Himmelfahrt" - ein Raumkonzept / 8.August - 23.August 2009 / Claudia Antesberger
Aquarelle und bunter Raum / 3.Oktober - 3.November 2009 /Claudia Antesberger
H+H, Selektion, Neue Messe München / 25.November - 29.November 2009
"nervöse Zeit" / Malerei 17. April - 8.Mai 2010 /Ulrike Schüler
10.Mai - 17.Mai 2010 / Annegret Bleisteiner und Claudia Antesberger
21.Mai - 13.Juni 2010 / whiteBOX - NEW WOMEN Part I - Space World mit Künstlerinnen der Galerie



29.Mai - 10.Juni 2010 / Eva Blanché - privacy - Grafikarbeiten

18.September - 14.Oktober 2010 / Annegret Bleisteiner und Claudia Antesberger

Bernadette Göbel, Kunsthistorikerin / über das Bild: jouissance3 von Claudia Antesberger
Was leckt das Mädchen da? Fliederfarbenes Eis?
Sie leckt das ungewöhnliche Substrat von einem rosaroten Löffel.
Ähnelt der Griff dieses Löffels nicht einer Zahnbürste?
Sind sie alt oder jung?
Ich mag das Kleid der jungen Frau, das ist gut für den Strand, aktuell und schön schulterfrei. Es nimmt den Titel auf, „Jouissance“, ‒ eine junge Französin, vielleicht aus Paris?Das Mädchen ‒ wahrscheinlich ist es ein Mädchen ‒ aber doch recht zeitlos, hat ein ausdrucksstarkes Gesicht.
Sehr mager, spitzwinklig, die Zunge ist seltsam flach und die Augen sind riesig, mandelförmig, wie Katzenaugen.
Ihr exotisches Gesicht ist Zentrum der Komposition, die Art wie sie sich anschickt, an der fliederfarbenen, cremigen Masse zu lecken, von zentraler Wichtigkeit für das Geschehen der Bildhandlung.
Irgendwie bedrückt mich das! Wird sie gezwungen an dem ‒ in meinen Augen ‒ höchst obskuren, unappetitlichen Zeug zu lecken?
Strahlt ihr Gesicht Begeisterung aus? Genießt sie ihr „Eis“?
Ihr Kopf wirkt gebeugt, deshalb schließe ich auf eine unfreiwillige Handlung. Das macht mir Angst, zusammen mit ihren durch Schatten umrandeten, großen Augen!
Außer diesem schwer verständlichen Akt seltsam gezwungen wirkender Nahrungsaufnahme geschieht noch viel mehr im Raum des Bildes:
Man sieht aus dem linken Mittelgrund einen charmant lächelnden Mann in blauen Badehosen auf das Mädchen im Zentrum zukommen. Er hält eine Trinkflasche in der Farbe seiner Schwimmkappe in der Hand.
Ist das nicht seltsam, man ist offensichtlich im Schwimmbad?
Auch die blau gefliesten Wände und Böden deuten auf die sterile Umgebung einer öffentlichen Schwimmhalle hin.
Auf der darüberliegenden Galerie sind drei Menschen zu sehen, wahrscheinlich willkürlich gewählte Statisten, die eine gewisse Belebtheit des Ganges mit schwarzer Tür bewirken sollen.
Die ausschließlich männliche Personengruppe in der Mitte ist dagegen genauer charakterisiert: Hier sitzen mit dem Rücken zum Betrachter zwei durch bunte Pullover personalisierte Männer mit kurzem, schwarzem Haar.
Es fällt auf, das alle sieben Männer im Mittelfeld die identisch gleiche Frisur tragen. Die beiden Männer direkt neben der zentralen weiblichen Figur erlangen durch ihre bunten Pullover jedoch eine sichtbare Persönlichkeit.
Es finden sich also Männer um eine Frau im Zentrum, die sich aber hingebungsvoll einem Löffel mit „Nahrung“ ‒ und vor allem! ‒ dem Betrachter zuwendet.
Die Männer im Mittelgrund allerdings wenden sich von ihr ab, sie richten ihre Aufmerksamkeit ganz auf eine bunte, vielleicht gemalte Szenerie, die über bunten Fliesen im oberen Drittel der Wand angebracht ist. Sie fokussieren diese Zeichnung mit größter Aufmerksamkeit wie den Bildschirm eines Fernsehapparates.
Die Zeichnung jedoch ist nicht das realistische Abbild eines bestimmten Gegenstandes, sie ist eher eine Collage aus Vielem, aus Gesehenem: ein kleiner roter Roboter, eine Graffiti-Zeichnung, darüber drei bunte Kegel, die mit ornamentaler Wirkung parallel zueinander angeordnet sind.
Was finde ich nun hier, wenn ich mich auf das Abenteuer der Betrachtung einlasse?
Ein Mädchen, dass den Menschen in seiner Umgebung keine Beachtung schenkt, aber mir, dem Betrachter. Aber auch dem Voyeur, denn ich schätze nicht jeder sollte in die Aufmerksamkeit seiner lasziv leckenden Zunge kommen.
Ich finde eine verwirrende Umgebung vor, verschiedene Handlungsorte, verschiedene Menschen:
Eine Gruppe Männer, die sich offensichtlich mehr für das ausgestellte „Bild im Bild“, und damit für einen sie faszinierenden Code interessiert, wobei die einzelnen Mitglieder dieser Gruppe bar jeder persönlichen Merkmale sind.
Einen Mann, der auf das Mädchen im Zentrum zukommt, lächelnd, und der sie offensichtlich kennt und mag. Er wird sie vielleicht gleich grüßen?
Einen Gang mit Personen, eine Alltagsansicht, wie sie vielleicht für eine (Kunst-)Universität charakteristisch ist.
Eine Schwimmbad-Szenerie, die Kühle ausstrahlt, aber auch sportliche Professionalität, Fitness.
Dieses Bild macht mich melancholisch, aber auch unendlich neugierig:
Wer ist dieses mysteriöse Mädchen? Geht es ihm gut?
Wie wird es ihm weiter ergehen?
Kann sie ein Schicksal haben, inmitten dieser kalten abweisenden Umgebung, kann man sie allein lassen in dieser kalten Welt?
Lässt sie sich überreden, Dinge/Sachverhalte/Glaubenssätze zu schlucken, die nicht gut für sie sind ‒ ja, die für den Betrachter selbst eher giftig wirken?
Ihre Geschichte könnte vielleicht weitergeschrieben werden, mit Informationen angereichert werden. Man wünscht sich die Bilder der Künstlerin zu sehen, um zu forschen, nachzusehen, wo sich das Mädchen sonst noch versteckt hat, wie ihr Leben in den Bildern so läuft.
Man wünscht ihr viel Glück!